Wir sind eine Erziehungsgemeinschaft.

Wer bei uns Mitglied ist, profitiert von den Vorzügen der Gemeinschaft, hat aber in diese auch seinen Beitrag zu leisten.
Dass diese Erwartung der Verbindung an einen Beitrag mitunter bis in das Verhalten und die geistige Haltung des Einzelnen reichen kann und nach außen wirken muss, erfordert einige Worte der Erläuterung.

Soziale Kompetenz nach außen

Die Burschenschaft Franco-Bavaria versteht sich nicht als studentischer Brauchtumsverein.

Wir suchen keine Insel fernab der Ereignisse und Herausforderungen in unserer Gesellschaft. Als akademische Verbindung sehen wir vielmehr, in Anknüpfung an den burschenschaftlichen Leitgedanken, eine besondere Verantwortung unserer Mitglieder in Studium und Beruf für die Gesellschaft.

Wir verstehen die Möglichkeit eines Hochschulstudiums als Privileg, das dazu verpflichtet, die damit gewonnenen Kenntnisse und Möglichkeiten nicht nur für persönliche Interessen, sondern für die Allgemeinheit einzusetzen. Dies erfordert Engagement und soziale Kompetenz jedes einzelnen. Mehr denn je gilt es heute, gerade bei jüngeren Akademikern Kompetenz auf diesen Gebieten, die Elternhaus, Schule und Universität gleichermaßen nicht abdecken können, auszuprägen.

Wir fördern unsere Mitglieder gerade in diesem Bereich, indem wir sie fordern. Unser Ziel ist es, durch Seminare und gezielte Anforderungen die soziale Kompetenz zu vermitteln, durch den starken interdisziplinären Austausch soziale Verantwortung zu erkennen und durch Aktivitäten außerhalb der Verbindung oder aus ihr heraus wahrzunehmen.

Der Alltag unserer jungen studierenden Mitglieder verlangt regelmäßig eine umfassende  Verantwortungsübernahme. Was heute in der Gesellschaft als Führung, Leadership, Skills oder Competences in mehrdeutige anglifizierte Klauseln verpackt wird, ist unser Alltag. Die Leitung der Veranstaltungen, das ehrenvolle Miteinander und die stete Achtung des Gegenüber lehren unseren jungen Mitgliedern die Lektionen, die sie im späteren beruflichen Alltag benötigen. Bei uns können sie sich erproben und entwickeln. Wir leiten an zur Selbstreflexion.

Unsere Gesellschaft, unser Land und Europa brauchen Eliten, brauchen Leistungseliten, die sich durch fachliches Können und soziale Verantwortung gleichermaßen auszeichnen.

In diesem Sinne denken wir elitär.

Soziale Kompetenz nach innen

Die Verbindungen – gleichwohl welcher Ausrichtung – leben das Prinzip der Sozialen Verantwortung als tragendes Element nach innen.
Wo immer dieser Grundsatz aufgeweicht oder gar aufgegeben wird, wo die Verbindlichkeit des Handelns gegenüber dem eigenen Bund oder die Bereitschaft, für den Bundesbruder – auch ohne das Bestehen einer persönlichen Freundschaft – einzutreten, verloren geht, ist die Verbindung ihres Fundamentes beraubt und zum Absterben verurteilt.

Verbindungen unterscheiden sich in diesem Punkt nicht von anderen fest geschlossenen Gemeinschaften. Rituale, Riten, Traditionen bilden dabei lediglich einen äußeren Rahmen, der das eigentliche Prinzip dokumentiert.

Soziale Kompetenz und Burschenschaften

Einige hierfür relevante revolutionäre, bahnbrechende Erkenntnisse aus der Anfangszeit der burschenschaftlichen Bewegung haben bis heute ihre Gültigkeit bewahrt:

  • eine ausschließlich nach innen gerichtete Verantwortung, die Beschränkung auf einen fest umrissenen Kreis, die Kultivierung des Lebensbundprinzipes als Selbstzweck führt zu sektenähnlichen, sich von der übrigen Welt abkapselnden Strukturen.
  • bleibt die Frage nach dem „Wozu“ und „Wohin“ einer Gemeinschaft unbeantwortet, erschöpft sich ihr Sinn in der Pflege des Gruppenegoismus. So führt sich diese Gesellschaft selbst ad absurdum und wird zu ihrer eigenen Karikatur.

Die Urburschenschafter haben einer solchen Entwicklung ihre Auffassung entgegengesetzt, dass der Akademiker – ob als Student oder später im Berufsleben – seine eigentliche Aufgabe außerhalb des Bundes im Staat und in der Gesellschaft mit ihren vielen Gruppen zu erfüllen hat. Sie brachen damit aus der bis dahin gepflegten inzestuösen Reduktion des Verbindungswesens aus, bejahten ihre Verantwortung über das akademische Standesdenken hinaus – und traten so erstmals in eine moderne soziale Verantwortung ein.

Ein Lebensbund auf der Grundlage gemeinsam getragener Ideale, einer von allen anerkannten – nicht zwingend statischen – Werteordnung und der erkennbar ernstgenommenen Verpflichtung zum Handeln entwickelt Strahlkraft und Außenwirkung. Nicht ohne Grund lag die Blütezeit der Burschenschaften und jedes einzelnen Bundes in den Jahrzehnten, in denen sich als solche bekennende Burschenschafter in allen führenden Positionen vertreten waren; erkennbar daran, daß sie bereit waren, als Akademiker Impulse zu setzen und Einsatz für andere zu bringen.

An diesen Gedanken, an dieser Haltung halten wir bis heute fest.

Burschenschaftliches Erziehungsziel

Es gehört mit zu den wichtigsten Aufgaben einer Burschenschaft, den gegenseitigen Erziehungsprozeß der Bundesbrüder untereinander zu fördern und gerade die jüngeren Bundesbrüder auf ihre Verantwortung gegenüber Bund und Gesellschaft hinzuweisen und vorzubereiten.
Als Primärziele, die sich aus dem Selbstverständnis einer burschenschaftlich geprägten Verbindung nach unserer Auffassung ergeben, sind aufzuführen:

  • Zivilcourage, d.h. Bereitschaft, als richtig anerkannte Standpunkte auch dann zu vertreten – und vor allem für sie einzutreten – wenn sie nicht dem jeweiligen Zeitgeist und Trend entsprechen, selbst wenn damit persönliche Nachteile verbunden sein sollten.
  • Engagement, d.h. nicht Forderungen erheben, daß und wie andere zu handeln haben, sondern bereit zu sein, im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten sich selbst – auch ohne Aussicht auf einen persönlichen Vorteil – einzusetzen.
  • Freiheitliches Denken, wobei Freiheit nicht als das Fehlen von Zwängen verstanden wird, sondern vielmehr als die Freiheit zu Handeln und und zu Denken und damit auch als Verpflichtung.
  • Toleranz, als Bereitschaft und Fähigkeit, andere Standpunkte, Haltungen und kulturelle Einbindungen zu verstehen, sich damit auseinanderzusetzen und sie zu respektieren – ohne sie damit für sich selbst zu übernehmen.
  • Achtung und Selbstachtung, wobei der Respekt vor dem anderen die Selbstachtung mit einschließt, denn nur wer um den eigenen Wert weiß, wird auch den anderen in seinem Wert respektieren.
  • Loyalität, d.h. die Bereitschaft, Mehrheitsentscheidungen, die auf gemeinsam anerkannten Werten und Verfahren beruhen, auch bei abweichenden Auffassungen zu akzeptieren, mitzutragen und nach außen aktiv zu vertreten.
  • Ethische Kontrolle des eigenen und fremden Handelns bezüglich der Übereinstimmung mit den gesetzten Werten, Überprüfung der Auswirkungen auf Dritte.
  • Verantwortung für das soziale Gefüge, zu dem Bund, Gesellschaft, Staat, Nation, Europa gleichermaßen gehören. Diese Verantwortung stellt sich als Summe aller vorher genannten Primärziele dar.